„Plötzlich“ Papa

Ich bin Papa. Freiwillig.

Mitten im Studium, abhängig vom BAföG und dem Zuverdienst meines Nebenjobs wurde ich Papa. War da Alkohol im Spiel? War ich von Sinnen? Habe ich nicht nachgedacht? Doch, und zwar schon fast zu lange.

Vorab: es ist nie der richtige Zeitpunkt für ein Kind. Wenn jeder auf DEN richtigen Zeitpunkt warten würde, dann würde es keine Kinder geben. Man wartet und wartet, denkt sich, es muss alles perfekt sein, alles muss abgesichert sein und in “trockenen Tüchern”. Und eh man sich versieht ist es zu spät. Weil irgendetwas wieder nicht passt. Oder dazwischen kommt. Also wird weiter gewartet. Und gewartet. Aber es passt eigentlich nie und trotzdem perfekt. Ein Kind wirbelt vieles durcheinander, vor allem lang durchdachte Pläne.

„Wir bereuen nichts!“

 

Wir wollten beide Kinder. Nach rund 8 Jahren Beziehung und Freundschaft haben wir es einfach gewollt, ungeachtet unseres “Lebensabschnittes”. Und wir bereuen nichts. Unser Alter war sicher auch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Aber seien wir mal ehrlich, auf was hätten wir denn noch warten sollen. Auf den richtigen Zeitpunkt? Uns geht es gut, wir haben ein Dach über den Kopf, wir haben genug zu essen. Wir können uns das Studium leisten und den Gang zum Fitnessstudio. Wir fahren sogar in den Urlaub…manchmal 🙂

Früher habe ich ein wenig daran geglaubt was mir gesagt wurde. Dinge wie “Wenn du erstmal Vater bist, siehst du alles anders” oder “Dein Leben ist dann ein ganz anderes, du wirst ein ganz anderer sein”,  “Das Geld, denk an das Geld. Ohne Geld kannst du das vergessen”.

Dann kam die befreiende Ernüchterung.

Es hat sich soweit erstmal nicht viel geändert. Nichts gravierendes zumindest. Nicht soweit, dass ich die Klischee-Sprüche bestätigen könnte. Klar, ich habe weniger Zeit für mich, aber das empfinde ich nicht als störend. Zumal wir darauf achten, dass jeder seinen Freiraum, seine Zeit für sich bekommt. Man sollte sich nicht 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für seinen Nachwuchs aufopfern. Ein Kind groß zu ziehen bedeutet nicht, dass man seine Identität ablegt und alles für den Dienst am Kind ausrichtet, sich quasi selbst aufgibt. 

Denn dann wird man scheitern. Wie soll denn ein Kind lernen eigene Interessen zu verfolgen, seinen eigenen Kopf zu haben, lernen sich mit sich selbst zu beschäftigen und unabhängig zu sein, wenn ihm genau das Gegenteil vorgelebt wird?

Ungeachtet dessen spiele ich immer noch gerne Computerspiele, ich spiele immer noch gerne Tabletop, ich bin immer noch Mitglied in einer Band mit regelmäßigen Proben, studiere, habe einen Job, treibe Sport und geh Abends weg. Zugegeben nicht mehr so oft wie früher, aber ich bin ja auch keine 20 mehr.

Ich habe nicht angefangen Socken in meinen Sandalen zu tragen oder unablässig Dad Jokes von mir zu geben. Ich habe mich auch nicht von meinen T-Shirts und Shorts zugunsten von Polohemden die in begürtelten Hosen gesteckt werden, getrennt. Was sich verändert hat, ist das Zeitmanagement, also womit ich mich hauptsächlich beschäftige. Es ist halt einfach eine Person mehr im Haushalt, eine die man unwahrscheinlich lieb gewinnt.

Lag der Kleine Anfangs noch schlafend auf meiner Brust während ich mich in diversen MMORPG’s herum trieb, braucht der nun nicht mehr ganz so kleine Frechdachs aktiven Input und meine Aufmerksamkeit. Und die geb ich Ihm gern. Aber ich fühle mich nicht altbacken dabei. Ich habe nicht jeden Moment meiner Existenz auf das Kind ausgerichtet und mein Leben ist nicht vorbei. Sondern es wurde besser. Gehaltvoller. Aktiver.

Überhaupt: seit dem der Quaker da ist, bin ich (und Mascha natürlich) viel aktiver geworden. Es ist teilweise so, dass man sich fragt: wofür ging eigentlich früher die Zeit drauf. Was hat man damit immer angestellt? Man schätzt die Zeit die man hat wertvoller ein und versucht dementsprechend damit zu haushalten.

Vielleicht ist das ja, was man als erwachsenwerden bezeichnen kann?

Beste Grüße, Marten – das zweite M

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Ein Kommentar

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